Abtreibungsgegner

An dieser Stelle möchte ich ein paar Worte über die selbst ernannten Abtreibungsgegner verlieren.

Mir ist bei meiner Recherche zum Thema Abtreibung aufgefallen, dass auf vielen der vorderen Plätzen bei der Suchanfrage nach „Schwangerschaftsabbruch“ oder „Abtreibung“ Webseiten der selbsternannten Abtreibungsgegner zu finden sind. Einige dieser Seiten sind mir sauer aufgestoßen.

  • Ich finde es vollkommen in Ordnung, wenn man der Meinung ist, dass eine Abtreibung für einen selbst unter gar keinen Umständen in Frage kommt.
  • Es ist ebenfalls vertretbar, dass man der Ansicht ist, dass niemand abtreiben muss und dass es immer eine Alternative gibt.
  • Selbst die Argumentation, dass Abtreibung mit Mord gleichzusetzen ist, zumindest wenn man die Ansicht der Abtreibungsgegner teilt, dass Leben bereits mit der Befruchtung beginnt, ist irgendwie schlüssig und noch nachzuvollziehen.

Ich schätze es sehr, dass wir in einem Land leben, in der jeder seine Meinung kundtun darf. Schließlich halte ich die Meinungsfreiheit für eines der höchsten Güter unserer Gesellschaft. Dennoch verurteile ich einige der Abtreibungsgegner für ihre Vorgehensweise.

  • Ich finde es nicht in Ordnung, dass teilweise mit unfairen Methoden, teils sogar unrichtigen Behauptungen vorgegangen wird, um andere Frauen, die ungewollt schwanger geworden sind und vor einer so schwierigen Entscheidung stehen, abzutreiben oder nicht, ihre Meinung regelrecht aufzudrängen.
  • Es ist ebenfalls nicht in Ordnung, andere Frauen zu verurteilen, falls Sie sich zu einem Schwangerschaftsabbruch entschließen oder eine Abtreibung überhaupt in Erwägung zu ziehen. Sie kennen die jeweilige Situation, die besonderen Lebensumstände doch gar nicht. Was nützen den ungewollt Schwangeren diese Informationen, wenn Sie teilweise nicht den Tatsachen entsprechen?

Ich halte diese Vorgehensweise für sehr bedenklich. Wie ich zuvor sagte, kann jeder seine Meinung kundtun. Ich plädiere jedoch für eine sachliche Auseinandersetzung mit diesem Thema. Lassen Sie uns auf einer vernünftigen Basis diskutieren.

Egal, welches Motiv bei den Abtreibungsgegnern eine Rolle spielen: Ob regligiöse, moralische oder andere Gründe ausschlagebend für deren Haltung sind. Man darf nicht vergessen, dass diese Moralvorstellungen, dieses Weltbild, längst nicht für jeden richtig sind.

Ich halte mich selbst für religös und bin ein wenig zwiegespalten, was die moralische Beantwortung der Abtreibungsfrage angeht.

Wer hat denn zu entscheiden, ob der Embryo zu einem Kind heranwachsen und leben darf oder nicht? Das wird immer wieder als Argument der Abtreibungsgegner angeführt. Rein rechtlich ist diese Frage relativ leicht zu beantworten: Die Schwangere darf das entscheiden. Eine Abtreibung ist nach der Beratungsregelung in Deutschland nun einmal straffrei.

Die moralische Beantwortung ist ungleich schwieriger. Glaubt man an Vorherbestimmung, so kann man argumentieren, dass es so sein soll, dass man ein Kind zur Welt bringt. Allerdings haben wir auch alle unseren freien Willen bekommen. Und ich muss auch sagen, dass ich verschiedene Beweggründe, die bei der Abtreibung eine Rolle spielen, nachvollziehen kann.

Eine Frau, die vor der Entscheidung steht, eine Abtreibung durchführen zu lassen oder das Kind bekommen soll und sich selbst unsicher ist, ob Sie damit leben kann bzw. was für sie richtig ist, bringen sachliche Argumente beider Seiten doch wesentlich mehr als dieses: „Wenn Du abtreibst, bist Du ein schlechter Mensch“!

Ein tolles Buch, welches dazu beitragen kann, die für sich richtige Entscheidung zu finden, bekommen Sie übrigens hier: Abtreibung-Entscheidung .

Lassen Sie uns eine sachliche Diskussion führen zu der ich auch alle Abtreibungsgegner herzlich einlade! Ich freue mich darauf!

Tags: , ,